Eine Oper in vier Varianten

In der Lausitzer Rundschau war am 5. April 2013 zu lesen:

Die Grundschule Luckau führt in unterschiedlichen Versionen eine Geschichte von Carl Orff auf

Die Luckauer Grundschule hatte geladen und sie kamen (fast) alle: Eltern, Geschwister, Freunde und neugierige Musikfreunde, um zu sehen, was 130 Kinder in vier Tagen aus Carl Orffs “Geschichte vom König und der klugen Frau” machen würden.
Erst am Dienstag zuvor hatten die Kinder die zum ersten Mal kennengelernt und dann mit ihrem Projekt begonnen. Die Mädchen und Jungen wurden in vier Gruppen eingeteilt und erhielten die Aufgabe: Erzählt in euren eigenen Worten und nach euren Ideen, mit Kostümen, Kulissen und Musik auf der Bühne diese Geschichte für eure Freunde, Eltern und Mitschüler. Am Ende stand ein tolles, eigenständiges und musikalisch unterstütztes Theaterstück, welches von 130 Kindern in vier Tagen entwickelt wurde. Ob nun als Bühnenbildner, als Regisseure, Kulissenbauer, Bühnentechniker, als Schauspieler, als Choristen und als Musikanten, jeder konnte seinen Teil beitragen. Die Lehrer halfen bei der Koordination, aber die Theaterarbeit sollte die Sache der jungen Bühnenkünstler sein.
Am Tag vor der Aufführung gab es dann noch Verstärkung von einer Jenaer Operntruppe. Zuerst mit der Vorstellung „Zauberflöte für Kinder“ als Appetitanreger, danach auch noch mit wichtigen Hinweisen und Beratungen für das eigene Projekt. Wenige Tage später galt es, die Ergebnisse vorzustellen und zu sichten, um die Auswahl für die Vorstellungen am Nachmittag zu treffen. Dazu stellten die Gruppen ihre Endfassungen vor du analysierten kritisch die eigene Leistung auf Stärken und Schwächen. Danach wählten sie selber die endgültigen Besetzungen für die Premiere aus. So war die Nachmittagspräsentation der vier Fassungen für alle eine echte Premiere.
„Mit dem Zutrauen in die Kraft und das Können der Kinder wächst auch genau dieses.“ Diese Botschaft zierte die bunten Zettel, die den Gästen den Weg vom Eingang zu ihren Plätzen zeigten. Es war auch das Motto, unter dem die Schulleiterin Gerlinde Sander, kurz das Projekt vorstellte. Danach begann die Aufführung.
Die Geschichte ist eine Oper in einem Akt für die das Grimm-Märchen „ Die kluge Bauerntochter“ die Vorlage gab. Ein Bauer findet einen goldenen Mörser und bringt ihn, auf Finderlohn hoffend, zum König. Doch seine Tochter warnt ihn, der König würde sicher auch nach dem Stößel verlangen und den Finder der Unterschlagung bezichtigen. Die Voraussage bewahrheitet sich, der Bauer wird in den Kerker geworfen. „Oh hätt’ ich ihr nur geglaubt“, klagt er dann laut. Dies kommt dem Herrscher zu Ohren, und er verlangt nach der Tochter. Als sie drei von ihm gestellt Rätsel mit Leichtigkeit löst, lässt der den Bauern frei und nimmt die Tochter zur Frau. Nachdem sie einen Eselbesitzer, der vom König ungerecht behandelt wurde, zu helfen versucht, wird sie dafür des Schlosses verwiesen. Als letzte Geste darf sie in einer Truhe das mitnehmen, woran ihr Herz am meisten hängt. Nachdem sie ihm einen Schlaftrunk verabreicht hat, packt sie ihn in die Kiste. So gelingt es ihr, sich zu retten und den Herrscher gänzlich auf ihre Seite zu bringen.
Vier Mal wurde die Geschichte erzählt, mal als Märchen, mal als Drama mit Musik, mal als Fernsehreportage aus dem Alltagsleben eines Bürgermeisters, als Geschichte von heute. Den Gang der Ereignisse begleiteten jeweils Chorlieder, wie das der Strolche, die erklärten, was für ein verkommenes Königreich das ist, wo Treu, Recht und Vertrauen längst über den See entflohen sind und Bosheit und Habgier herrschen. Immer, wenn die Handlungen spannend wurde, begleiteten die jeweiligen Musiker die Worte mit musikalischer Untermalung, die sie selbst erarbeiteten hatten, auf dem Elektroklavier, dem Akkordeon, mit dem Tamburin, der Trommel, der Triangel und dem Becken. Sarah, die zur Förderschule in Lübben geht, fad die Varianten total spannend, wie sie sagt, sie wollte aber vor allem ihre mitwirkende Schwester unterstützen.
Auch für das leibliche Wohl war mit Bergen von pikanten und süßen Muffins gesorgt. Alle haben geholfen, vier kleine Gesamtkunstwerke entstehen zu lassen und die beteiligten durften Schule jenseits des Alltags erleben.
Die Leistung der Grundschule wurde aus diesen Gründen vom Publikum umjubelt. Vor allem zurecht bei den Schülerinnen und Schülern, aber auch bei den Lehrern, die in dieser Projetwoche mit reichlich Überstunden gearbeitet hatte, um den Erfolg zu ermöglichen.
Lothar Treder-Schmidt


Eigentlich endete der Originaltext von Herrn Treder-Schmidt so:

“Sarah, die neben mir saß und zur Förderschule in Lübben geht, fand alle vier Varianten total spannend, saß mit offenem Munde da und klatschte heftig, auch bei dem Szenenapplaus, zu. B. für die Chöre. Sie war extra gekommen, um ihre mitwirkende Schwester zu bewundern, fand aber eigentlich alle „toll“.
Ja, es war toll – nicht die Met, aber eine große kleine Sensation, weil hier 130 Kinder eigenständig musikunterstütztes Theater in vier langen – kurzweiligen – Tagen entwickelt haben, als Bühnenbildner, als Regisseure, Kulissenbauer, Bühnentechniker, als Schauspieler, als Choristen und als Musikanten:, ja selbst als „Caterer“; die mit Bergen von superleckeren pikanten und süßen Muffins das Publikum verwöhnten: Sie alle haben geholfen, vier kleine Gesamtkunstwerke erstehen zu lassen: Und die Beteiligten durften echte Schul-BILDUNG erleben jenseits der allfälligen pisa-Testeritis: Schüler zu Selbständigkeit, zu Kreativität, zu Sprechfähigkeit und Präsentation, zu musischer und theatralischer Expression, zu Arbeit im Team und zu Verantwortung für’s Team nicht nur zu motivieren, sondern diese Teams auch zum Erfolg zu führen – diese Leistung wurde vom Publikum umjubelt – zu vorderst und zurecht bei den Schülern und Schülerinnen, aber auch beim Lehrerteam, das in dieser Projektwoche mit reichlich Überstunden gearbeitet hatte, um den Erfolg zu ermöglichen.
Herrlich, dass Schule so kreativ kann sein – in Luckau jedenfalls.”

Vielen Dank, für Ihr Interesse, Herr Treder-Schmidt!


Unter ENTWICKLUNG bei den Projekten der Klassen 1 bis 6 gibt es mehr darüber und auch die Fotos der Reportergruppen.